Mind-Body-Medizin

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Die Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie bietet einen breiten konzeptuellen Rahmen, in dem zahlreiche Krankheiten auf Körper-Geist-Ebene (engl. mind-body) untersucht und betrachtet werden. Es gibt viele Krankheiten, die unübersehbare persönliche Symbolik beinhalten und maßgeschneidert auf die psychosoziale Lebensgeschichte des Menschen passen könnten.

Krankheit als Chance für Transformation?

Die Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie bietet einen breiten konzeptuellen Rahmen, in dem zahlreiche Krankheiten auf Körper-Geist-Ebene (engl. mind-body) untersucht und betrachtet werden. Es gibt viele Krankheiten, die unübersehbare persönliche Symbolik beinhalten und maßgeschneidert auf die psychosoziale Lebensgeschichte des Menschen passen könnten. Unsere meist dualistische Weltanschauung verhindert eine sinnvolle integrative Betrachtung auf geistiger Ebene und behindert dadurch, wenn man dem Ansatz folgen möchte, die Bedeutung der Krankheit oder das psychische Pendant/Äquivalent zu erfassen und die Heilung einzuleiten.

Die Vorstellung einer messbaren Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper, oder sogar einer Symbolik im Krankheitsprozess, ist dem westlichen wissenschaftlich geprägten Kliniker meist fremd. Zu Recht, wenn man bedenkt, dass vor nicht wenigen Jahrhunderten in unserem Kulturkreis noch Religion und Medizin Hand in Hand gingen und nicht haltbare Theorien die Grenze zwischen Glauben und Wissen verwässert haben. Der Wunsch nach „reinen Wissen“ hat Körper und Geist zunächst in den Wissenschaften und dann in der medizinischen Praxis getrennt, so dass eine Medizin entstehen konnte, die primär auf struktureller Ebene Defekte oder Erreger sucht und behandelt. Abgekapselt dazu behandeln Psychologen oder Psychiater die sogenannten Geisteskrankheiten. Dieser reduktionistische Ansatz hat viele (faule) Früchte hervorgebracht und uns eine hoch spezialisierte Hightech-Medizin erschaffen, die ihren Sinn und ihren Platz hat, und dank derer wir etliche gesundheitliche Probleme lösen konnten. Es bleiben viele, besonders die chronischen nichtinfektiösen Krankheiten ungeheilt, deren Ursache nicht auf materieller Ebene zu finden ist und viele so genannte Geisteskrankheiten, deren Ursache nicht auf geistiger Ebene liegt. Genau dort setzt Mind-Body-Medizin an.

Krankheit als Symbol

Die symbolische Bedeutung einer Krankheit liegt in der Biographie des Erkrankten verborgen. Sie kann eine somatische Repräsentation einer (nicht gelösten) Lebenserfahrung des Betroffenen widerspiegeln. Eine „somatische Metapher“ liegt vor, „wenn das beteiligte Organsystem und/oder der pathologische Prozess und/oder die klinische Phänomenologie besonders gut mit den subjektiven Bedeutungen oder mit der Geschichte des Patienten übereinzustimmen scheinen, was sich wiederum anhand der Sprache, Lebensgeschichte und den Verhaltensweisen des Patienten feststellen lässt“ (Broom 2000).

Ein einfaches Beispiel für eine symbolische Metapher wäre ein chronischer Blutdruckanstieg bei einem Menschen, der sehr viel Druck widerstehen muss oder eine Gelenkerkrankung bei jemandem, der sich starr, steif und zu unbeugsam in seinem Verhalten zeigt. Diese Fälle beschreiben die oben genannte unübersehbare Symbolik der Erkrankung. Die Metapher muss allerdings keineswegs so einfach zu übersetzen sein, wie in diesem Beispiel. Wichtig sind ein zeitlicher Zusammenhang von Symptom und psychischer Dynamik, die individuelle Interpretation in die Lebensgeschichte des Patienten sowie der Ausschluss linear-kausaler Verkettung („Das Gelenk tut weh, weil ich mich gestoßen habe.“).

Dogmatische Zuordnungen

Problematisch wird der Ansatz, wenn Verbindungen zwischen spezifischen körperlichen Symptomen und psychodynamischen Aspekten verallgemeinert werden und damit die Individualität des Patienten zu Gunsten dogmatischer „Körper-Geist-Gesetzte“ oder „Somatisierungstabellen“ vernachlässigt wird (Kaplan 1980).

Um es besser zu verstehen oder zu integrieren, hilft vielleicht die Vorstellung, dass das Leben ein Lernprozess darstellt. Besonders gut lernen wir, wenn wir unter Leidensdruck stehen und keine Alternativen haben, als etwas zu akzeptieren oder unser Verhalten zu ändern.

Krankheit kann uns somit zu Wachstum und Veränderung zwingen und unsere Lebenseinstellungen und unsere Haltung zu überprüfen. Um für sich selbst den Zugang zum psychischen Äquivalent oder zur „Lektion“ zu vereinfachen, ist es hilfreich die Betrachtungsweise des Egos zu verlassen, und sich aus einer pragmatischen Beobachterposition Fragen zu stellen:

  • „Warum passiert gerade mir, gerade jetzt, gerade das?“
  • „Was symbolisiert das erkrankte Organ?“
  • „Was ist die symbolische Bedeutung des Geschehens?“
  • „In welchen unheilsamen Emotionen oder Geisteszuständen habe ich mich verfangen?“
  • “Welchen Gedanken glaube ich?”
  • “Welche Muster überagern meine seelische Hintergrundschwingung?”
  • „Wozu zwingt mich dieser Prozess? Womit muss ich mich jetzt beschäftigen, ob ich will oder nicht?
  • „Was kann ich jetzt nicht mehr tun?“
  • „Wie verhalte ich mich, wenn ich Anderen davon erzähle?“
  • “Welchen Nutzen habe ich von der Krankheit?”
  • „Welche Worte benutze ich dabei und haben diese symbolische Bedeutung?“
  • „Welche ungelösten Konflikte trage ich mit mir herum?“
  • “Was sage ich selbst über mich?”
  • “Was ist das schlimmste was andere darüber sagen könnten?”

 

Wenn man sich diese Fragen stellt, empfehle ich achtsam auf Antworten zu warten. Diese können in einem selbst auftauchen, z.B. als Intuition, in Träumen, in meditativen Zuständen, ebenso von außen durch andere Menschen, interessante Bücher oder Filme, Symbole oder Ereignisse oder anderen plötzlich auftauchenden „komischen Zufällen“, die das entsprechende Thema widerspiegeln. C.G. Jung und der Physiker Wolfgang Pauli haben für diesen Prozess der symbolischen Präsentation von psychodynamischen Inhalten in der Außenwelt den Begriff der Synchronizität eingeführt. Kein geringerer als Albert Einstein hat Jung ermutigt diese Ansicht weiterzuverfolgen, da die Vernetzung von Bewusstsein und Materie genau dem neuen Denken der Quanten- und Relativitätsphysik entspräche. Die traditionelle Psychiatrie bezeichnet eine derartige Weltsicht als Beziehungswahn, auch wenn die außergewöhnlichen Zusammentreffen oder komischen Zufälle jedem gesunden Menschen auch auffällig erscheinen.

Ich habe viel in der Krankheit gelernt, das ich niemals in meinem Leben hätte lernen können.“ Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wie gut, das keiner weiß, das ich Rumpelstilzchen heiß

Auf psychischer Ebene spielt die rationale Betrachtungsweise eine untergeordnete Rolle. Die Sprache der Psyche ist das Symbol. Die Vernunft hilft eigentlich eher die Informationen aus unterschiedlichen Ebenen zu sortieren. Geistige Konstrukte, wie eingefahrene Denkweisen, begrenzende Glaubenssätze und nicht gelöste traumatische Erfahrungen und die daraus resultierenden Einschränkungen oder verbundenen Spannungen im Köpergewebe sowie Gefühle/Emotionen sind wichtige Ebenen auf denen diese Informationen liegen können. Die reine rationale Betrachtung der Zusammenhänge kann schnell an Ihre Grenzen stoßen. Sie verhindert eine ganzheitliche Betrachtung der Köper-Geist-Einheit. Folgen Sie Ihrer Intuition, achten Sie darauf, was für Sie stimmig und authentisch ist und welche Informationen Ihr Interesse wecken. Besonders die Informationen, deren Wahrheitsgehalt wir intuitiv wahrnehmen, die wir aber nicht gerne hören, können uns helfen uns zu entwickeln. Ein Gedanke ohne Glauben daran hat keine Macht!

Bei all den Fragen ist es wichtig nicht zu „verkopfen“,also  nicht zu rationalisieren. Vielmehr suchen wir die „Gestalt“ oder die energetische Signatur im Feld oder Bewusstseinsraum. Eugene Gendlin hat den erfolgreichen Prozess der Auseinandersetzung mit mental-emotionalen „Gestalten“ im Bewusstseinsraum sehr schön beschrieben und den Begriff des „Focusing“ dafür geprägt. Statt darüber nachzudenken, zu urteilen und zu bewerten, nähern wir uns der „Gestalt“ im Inneren und versuchen ihr Geheimnis zu entreißen (Mehr dazu hier)

Als Heilpraktiker kann ich mir den Luxus erlauben, mich von rein wissenschaftlicher Betrachtung zu lösen und Begriffe wie Spiritualität verwenden, um den Prozess der Krankheitsinterpretation auf Körper-Geist-Ebene leichter zu gestalten. Nur weil die Medizin gegenwärtig in viele Teilbereiche der Wissenschaft zersplittert ist, verhält man sich noch lange nicht unseriös, wenn man die Rückkehr zur Ganzheitlichkeit fordert. Wer ganzheitlich arbeitet und von Spiritualität spricht, wird oft vorschnell nicht ernst genommen. Dabei müsste man meiner Meinung nach den reduktionistischen Ansatz der Medizin auf seine Alltagsgebräuchlichkeit überprüfen.

Der Buddha

Siddharta Gautama, besser bekannt als der Buddha, lehrte schon vor ca. 2500 Jahren, dass alle Wesen dem Leiden unterworfen sind. Eine Nicht-Akzeptanz dessen kann zu Traurigkeit, Gram und Bitterkeit, die Akzeptanz dessen hingegen zu tiefer Einsicht, Umkehr und Besinnung führen. Krankheit und Leiden ermöglichen dem Menschen in seinen Grundfesten erschüttert zu werden und ihn dadurch auf den spirituellen Pfad zu schicken. So zeigt Krankheit einen Weg zu höherer Erkenntnis, in dem sie den Menschen aus dem Alltag befreit und mit Leiden, existentieller Angst und mit sich selbst konfrontiert, und ihn zwingt sich mit existentiellen Themen auseinanderzusetzen. Wenn die Krankheit überstanden ist, kann der Mensch gewandelt daraus hervorgehen. Bei Kindern wird dieser Prozess gerne als etwas Besonderes dargestellt, obwohl er auch bei Erwachsenen normal sein sollte. Viele Erwachsene scheinen die symbolische Ebene, auf der Kinder sich bewegen, nicht mehr wahrzunehmen. Eine Krankheit nimmt zwar Selbstständigkeit, Mobilität und Freiheit, sie bietet dafür die große Möglichkeit, Leiden in spirituelle Werte wie Demut, Liebe, Hingabe und Erleuchtungsgeist (Buddhanatur) zu transformieren. So kann man durch eine Krankheit zunächst scheinbar alles verlieren, um dann anschließend alles zu gewinnen.

„Großes Leiden spart Jahre der Meditation.“ buddh. Sprichwort

Natürlich beinhaltet nicht jeder Schnupfen einen Funken Erleuchtung und nicht jeder banale Unfall ist als Wink des Schicksals zu betrachten! Dann verlören wir den Boden unter den Füßen und sollten unser Maß an Rationalität wieder erhöhen. Die Symbolik soll uns helfen. Wenn wir sie nicht erkennen, gibt es vielleicht auch keine tiefere Bedeutung und wir sollten uns nicht mit der Analyse quälen.

Das „Dogma der Monokausalität“ (Popp 2006) in unserer wissenschaftlich geprägten Medizin behindert eine ganzheitliche Sichtweise des komplexen Systems Mensch. Wir müssen wieder lernen, dass unsere Psyche in allen medizinischen Spezialdisziplinen wirken kann. Wenn wir uns mit Viren oder eigentlich harmlosen Bakterien infizieren, ist der Kampf gegen diese Erreger mit Antibiotika oder anderen Mitteln eine logische Folge auf der Ebene der Monokausalität. Infizieren wir uns aber immer wieder, sollten wir beginnen tiefere Ursachen zu suchen. Man kann dann vielleicht eine Immunschwäche feststellen. Will man diese behandeln, sollte man die Disziplin Immunologie mit anderen relevanten Disziplinen, wie Ernährung, Neurologie oder eben Psychologie vernetzen. Viele unserer chronischen Krankheiten sind multikausal. Es gibt dann nicht mehr die eine Ursache. Die Ursachensuche verläuft häufig im Sand. Hilfreicher ist eine Betrachtung von Triggern und Störungen, die das System belasten und bearbeitet werden sollten, damit die Selbstorganisation wieder wirken kann.

Der „mysteriöse Sprung vom Psychischen ins Somatische“

Zusammenfassend möchte ich behaupten, dass sich die Geschichte des Menschen nicht getrennt von seinem Körper entwickelt. Die Biographie wird zur Biologie. Der „mysteriöse Sprung vom Psychischen ins Somatische“ (Solano 2007) ist gar nicht mysteriös. Vielmehr mystifizieren wir ihn durch unsere dualistische Kategorisierung. Körper und Geist sind eins. Die Trennung erfolgt durch unsere begrenzende Wahrnehmung.

Quellen:

Broom BC. Somatic metaphor: a clinical phenomenon pointing to a new model of desease, personhood and physical reality. Adv Mind Body Med 2000; 18:16-29

Kaplan HI. History of psychosomatic Medicine. In: Kaplan HI, Freddmann AM, Sadock BJ. Comprehensive Textbook of Psychiatry. Dritte Aufl. Bd. 2. Baltimore: Williams & Wilkuns 1980; 1843-53.

Popp F-A. Biophotonen – Neue Horizonte in der Medizin. Von den Grundlagen zur Biophotonik. 3., vollst. überarb. und erw. Auflage 2006. Haug-Verlag

Solano L. Multiple code theory and psychoanalytically inspired psychosomatics. Psychoanalytical prospects on unconscious mental functioning: a meeting with Wilma Bucci. Meeting of the Centro di Psicoanalisi Romanao 2007, Rom

Dethlefsen T., Dahlke R. Krankheit als Weg. Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder. 1989 Goldmann-Verlag

Schubert C. Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie. 2011 Schattauer Verlag

Hinweis: Alle auf meinen Seiten veröffentlichten Texte wurden von mir verfasst, sofern nicht explizit auf eine externe Quelle verwiesen wurde und haben keinen Anspruch auf umfassende Darstellung. Sie enthalten lediglich meine persönliche Meinung zu den dargestellten Themen. Alle vorgestellten Methoden beruhen auf naturheilkundlicher Erfahrungsmedizin und haben keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass sich die schulmedizinische Lehrmeinung von meinen Darstellungen unterscheiden kann!

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